Kooperation mit Norwegen

Die Einsamkeit und die Farben sind wohl die Aspekte, die einem als erstes ins Auge springen, wenn man durch die Landschaft von Nordnorwegen fährt. Ein Gebiet, zerklüftet durch Fjorde (Meeresarme) und Sunde (enge Meeresstraßen), in dem man nicht genau weiß, wo das Wasser, die Küste und der Himmel jeweils beginnen und enden.

Eindrücke Landschaft NorwegenIn dieser bizarr schönen Landschaft lebt Gabriel, 18 Jahre. Der Ort, an dem er wohnt, mutet vielen Deutschen vermutlich eigenartig an, denn Gabriel wohnt in der Schule. Seine Familie kommt aus dem abgelegenen Dorf Sandtorg, eigentlich nur eine Autostunde entfernt, doch ohne die passende Busverbindung kaum zu erreichen. Aus diesem Grund blieb Gabriel letztlich keine andere Wahl, als das Angebot der Schule in Borkenes zu nutzen, mit anderen Schülerinnen und Schülern ein angegliedertes Selbstversorgerhaus zu beziehen. Hier wohnt Gabriel mittlerweile seit drei Jahren und kann sich keinen besseren Weg in die Selbständigkeit vorstellen.

Gabriel besucht die Abschlussklasse der Stangnes Rå videregående skole, einer Schule in der nordnorwegischen Region Troms og Finnmark. Diese besuchten die Lehrkräfte der Lore-Lorentz-Schule Susanne Holly und Rebecca Marker-Dworakowski im Rahmen einer Hospitation, die vom europäischen Mobilitätsprogramm Erasmus finanziert wurde. Neben dem Kennenlernen des Kollegiums und der Schülerschaft, der schulischen Strukturen und der Besonderheiten des norwegischen Schulsystems erlebten die beiden unmittelbar, wie weit die Digitalisierung in Norwegen fortgeschritten ist und auch den Schulunterricht verändert hat. Alle Schülerinnen und Schüler besitzen einen eigenen Laptop, der Klassenraum ist entsprechend gestaltet mit Gruppentischen und Anschlüssen, Smartboard und Internet stehen zur Verfügung. Ein schulinterner Informatiker betreut etwa 30 Lehrkräfte bei eventuell auftretenden Problemen und Fragen. Die Arbeit mit Microsoft Teams gehört schon lange zur Routine für Lehrkräfte und Lernende, hat aber durch die Pandemie einen weiteren Auftrieb erhalten.

Die Kooperation mit Stangnes Rå geht zurück auf ein eTwinning-Projekt unserer Freizeitsportleiter/-innen (PF). eTwinning ist eine Kooperationsplattform für Schulen in Europa, um gemeinsame Projekte durchzuführen. Da die norwegische Schule ebenfalls einen starken sportlichen Schwerpunkt hat, gründete sich eine Arbeitsgemeinschaft mit Schülerinnen und Schülern der PFs, die mit den norwegischen Mitschüler/-innen in Kontakt stehen. Neben den deutschen Lehrkräften in Norwegen waren bereits norwegische Lehrkräfte an der Lore-Lorentz-Schule, um die Kooperation voranzubringen; im März und September 2022 werden norwegische Schüler/-innen und Lehrkräfte nach Düsseldorf kommen und im Unterricht hospitieren, ein Gegenbesuch der AG-Teilnehmer/-innen in Norwegen ist in Planung.

Dass trotz aller Gegensätzlichkeiten (Stadt vs. Land, Zentrum vs. Randlage Europas, 1300 vs. 300 Schüler/-innen) und Widrigkeiten (Pandemie) die Zusammenarbeit an Fahrt aufnimmt, wird auch daran deutlich, dass weitere Bildungsgänge Kooperationsmöglichkeiten gefunden haben. So reisen fünf Schülerinnen und Schüler des Bildungsgangs Kaufmännische Assistent/-innen mit Schwerpunkt Fremdsprachen (SH) im Frühjahr nach Norwegen, um dort ihr vierwöchiges Praktikum durchzuführen. Auch hier werden sie durch das Erasmus-Programm der Europäischen Union gefördert.

Die Chancen stehen somit gut, dass beim baldigen Besuch des norwegischen stellvertretenden Schulleiters an der Lore-Lorentz-Schule diese intensive Zusammenarbeit durch eine offizielle Schulpartnerschaft besiegelt wird.

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