„Ich habe noch nie so eine starke Frau gesehen“

Bewegende Zeitzeugengespräche mit der Holocaust-Überlebenden Halina Birenbaum

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages empfing die Lore-Lorentz-Schule die Holocaust-Überlebende Halina Birenbaum zu Zeitzeugengesprächen am 29. und 30.01.2019. Die von Frau Tacke und Herrn Buschmann moderierten Veranstaltungen fanden in der Eller Schloßkirche und im Kom(m)ödchen vor jeweils 120 Gästen statt und boten den anwesenden Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, einer der letzten Zeitzeuginnen des wohl dunkelsten Kapitels der Menschheitsgeschichte zu begegnen. Die 89-Jährige erzählte in frei gehaltenen Vorträgen von ihrer zutiefst bewegenden Lebensgeschichte: Kindheit im Warschauer Ghetto, Deportation und Aufenthalte in verschiedenen Konzentrationslagern, darunter Ausschwitz-Birkenau. In bewegenden Worten schilderte sie dem gebannt zuhörenden Publikum, wie sie ihre Eltern verlor und mehrmals selbst nur knapp dem Tod entkam.

Zeitzeugin Halina Birenbaum, Foto: Yannik StarkAuch Schülerinnen und Schüler verschiedener Bildungsgänge, die Auschwitz im Rahmen einer Schulfahrt besucht hatten, waren in das Programm eingebunden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten von ihren intensiven Erfahrungen und gaben einen Einblick in den heutigen Aufbau des Lagers in seiner Funktion als Museum und Gedenkstätte sowie in den Ablauf einer solchen Fahrt. Halina Birenbaums Autobiografie „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sei dabei ein ständiger Begleiter und auch Birenbaum selbst habe Schülergruppen unserer Schule schon zweimal durch das Lager geführt. Seit 2004 bietet die Lore-Lorentz-Schule, initiiert von Herrn Buschmann, fast jährlich Fahrten in das ehemalige Konzentrationslager an, um die Möglichkeit zu eröffnen, sich auch außerhalb des Unterrichts mit den furchtbaren Geschehnissen zu beschäftigen.

Zum Ende der Veranstaltungen gab es noch die Möglichkeit, Fragen an Frau Birenbaum zu richten und das Gehörte zu verarbeiten. Hier äußerten die Besucherinnen und Besucher tiefen Respekt gegenüber der Holocaust-Überlebenden. „Ich habe noch nie so eine starke Frau gesehen“, meinte eine der anwesenden Schülerinnen. Auf die Frage, ob sie die Deutschen hasse bzw. gehasst habe, sagte Birenbaum: „Ich hatte keine Zeit, die Deutschen zu hassen. Ich hatte Angst.“

Im Namen von Halina Birenbaum bedankte sich auch ihre langjährige Freundin und Begleiterin Christel Schrieverhoff, Lehrerin in Marl, für die „beeindruckende Willkommenskultur“ der Lore-Lorentz-Schule und des Kom(m)ödchens. Die Gruppe des schulischen Organisationsteams „Wir erinnern“ nimmt dies als Auftrag, die Erinnerung an den Holocaust abseits von bloßen Zahlen und Fakten weiterhin wachzuhalten und Schülerinnen und Schülern Erfahrungen von unschätzbarem Wert zu vermitteln.

Jan Niklas Klod, Hasan Ugurlu, Lilian Weigt (13SL)